Ach, die ewige Frage nach den sozialen Medien. Da wird ja immer so getan, als wäre jeder Handwerksbetrieb und jede Bäckerei verpflichtet, zum digitalen Hampelmann zu werden. Dabei übersehen viele das Offensichtliche: Die meisten mittelständischen Unternehmen verschwenden auf Social Media hauptsächlich Zeit und Geld.
Mal ehrlich – was soll denn der Schreinermeister aus Buxtehude auf TikTok tanzen? Oder die Steuerberaterin aus Göppingen auf Instagram posieren? Das wirkt meist so authentisch wie ein Drei-Euro-Schein. Die Kunden kommen doch nicht wegen der lustigen Filmchen, sondern wegen der Qualität der Arbeit.
Wenn überhaupt Social Media, dann X (das ehemalige Twitter). Warum? Ganz einfach: Dort findet noch echter Austausch statt. Kurz, prägnant, ohne viel Schnickschnack. Ein Handwerker kann dort zeigen, was er macht, ohne sich zum Affen machen zu müssen. Ein Unternehmensberater kann fachliche Einblicke geben. Eine Bäckerei kann ihre Tagesangebote posten. Alles sachlich, professionell, ohne den ganzen Influencer-Zirkus.
TikTok ein Muss? Wohl kaum. Für einen 15-jährigen Teenager vielleicht, aber doch nicht für seriöse Geschäfte. Da hopsen Leute zu Musik herum und meinen, das sei Marketing. Was kommt als Nächstes – Geschäftsverhandlungen per Interpretationstanz?
Die wirklich erfolgreichen mittelständischen Unternehmen setzen auf das, was schon unsere Großväter wussten: persönliche Beziehungen, Mundpropaganda und handwerkliche Exzellenz. Der beste „Algorithmus“ ist immer noch ein zufriedener Kunde, der seinen Nachbarn erzählt: „Mensch, der Müller macht aber gute Arbeit!“
Statt Zeit mit dem Erstellen von Content zu verschwenden, sollten Mittelständler lieber in das investieren, was wirklich zählt:
- Eine ordentliche, professionelle Website, die alle wichtigen Informationen enthält
- Google My Business richtig pflegen – da suchen die Leute tatsächlich
- Lokale Netzwerke – Handwerkerkammer, Wirtschaftsvereine, Stammtische
- Direktes Marketing – Flyer, Anzeigen in der Lokalzeitung, Radiospots
- Qualität der Arbeit – das beste Marketing ist ein perfekt verlegter Parkettboden oder ein pünktlich abgegebener Jahresabschluss
Falls doch Social Media, dann strategisch: Ein X-Account mit wöchentlich zwei, drei sachlichen Posts über das Geschäft. Keine Selfies, keine "Behind-the-Scenes“-Dramatik, sondern Kompetenz zeigen. „Heute haben wir eine 200-jährige Fachwerkwand restauriert – so geht Handwerk mit Tradition.“ Punkt, fertig, authentisch.
Die neuen Alternativen 2025? Ehrlich gesagt – wen interessiert's? Bis man sich in die nächste Plattform eingearbeitet hat, ist sie schon wieder out. Diese ganze Jagd nach dem neuesten Trend ist doch Wahnsinn für einen Betrieb, der seit 30 Jahren solide Arbeit macht.
Mein Rat: Konzentriert euch auf euer Kerngeschäft! Ein Kunde, der euch weiterempfiehlt, ist mehr wert als 1000 Follower, die nie bei euch kaufen werden. Und wenn ihr unbedingt online präsent sein wollt, dann macht es ordentlich – aber lasst euch nicht von jedem Marketing-Guru einreden, ihr müsstet jetzt auch noch Comedian werden.
Das Schöne am Mittelstand ist doch gerade, dass er bodenständig ist. Warum sollte man das für ein paar Likes aufgeben?