Hm, keine einfach zu beantwortende Frage. Schon gar nicht für jemand anderen. Aber ich kann für mich sprechen. Ich habe 1988 zum ersten Mal geheiratet. Nicht besonders groß und nur standesamtlich. Aufgrund verschiedener Umstände hielt die Ehe nur bis 1992. Meine erste Frau führte über 15 Jahre lang einen richtigen Krieg gegen mich (http://bit.ly/2DkQ2AR).
Ich war ein wenig verschreckt, bin aber dann in 1996 mit meiner Jugendliebe zusammen gekommen und wir haben nach reiflicher Überlegung dann doch geheirtatet. Wir haben uns standesamtlich und kirchlich trauen lassen und ein rauschendes Fest gefeiert (Die Kosten waren erheblich aber wohl kalkuliert. Heute geht die Kalkulation aber deutlich einfacher: https://is.gd/1uLonG). Die ersten Jahre waren wirklich ein Traum. Immerhin kannten und mochten wir uns ja schon seit 17 Jahren. Doch dann gab es immer öfter Probleme, die wohl auf beiden Seiten zu suchen waren. Jedenfalls wurden wir dann 2002 geschieden. Meine zweite Frau und ich hegen aber immer noch eine gute Freundschaft. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Noch im Jahr unserer Scheidung lernte ich jedoch über einen Online-Chat meine jetzige Partnerin kennen (ebenfalls geschieden), mit der ich inzwischen 18 Jahre überglücklich verbunden bin. Nie hätte ich nach meinen Scheidungen gedacht, nochmals so glücklich werden zu können. Vollkommen ohne Trauschein.
Man sieht:
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Eine Garantie hat man nie, erst Recht nicht durch einen Trauschein
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Heirate nie aus finanziellen Motiven (z.B. Steuerersparnis), denn Hochzeit und Scheidung kosten oft weit mehr als man jemals einsparen könnte. (War aber bei uns eh nicht der Fall)
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Auch eine große Jugendliebe muss nicht unbedingt auch die perfekte Partnerin/der perfekte Partner sein
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Egal ob die Hochzeit groß ist oder ganz klein, es sagt nichts über den inneren Wert einer Partnerschaft/Ehe aus
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Die große Liebe kommt, wenn man sie gerade nicht erwartet
Wir haben über all die Jahrzehnte gelernt, dass alles was mit Trauschein war, für uns nicht funktioniert hat. Wir haben aber auch erfahren dürfen, dass die Liebe ohne Trauschein uns ein unerwartetes und absolut unfassbares und noch immer andauerndes Glück über so lange Zeit beschehrt hat. Und wenn uns in manchen kuscheligen Stunden der Wunsch nach Heirat durch den Kopf geistert, dann erinnern wir uns daran, was wir beide früher erlebt haben und wie schön unsere Beziehung ohne das ganze Klimborium ist. Wir nehmen uns in den Arm und würden um nichts in der Welt das Glück ohne Trauschein gegen eine vage Zukunft mit Trauschein eintauschen.
Fakt ist: Alles Negative, das ich während meiner Ehen erlebt habe, hätte ich auch ohne Trauschein erleben können. Nur viel billiger. Die schönste und glücklichste Zeit habe ich jedoch ohne Trauschein erleben dürfen. Entscheiden muss es aber jeder selbst - und auch mit seiner Entscheidung und den daraus resultierenden Folgen leben.